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Iran
Dass der Kalte Krieg eine neutralistische Politik kaum noch zuliess, musste speziell der Iran erfahren. Russland und Grossbritannien kämpften schon seit der Zeit des Imperialismus um ihren Einfluss im erdölreichen Land. Seit der Machtübernahme der Schahdynastie der Pahlewi im Jahre 1925 dominierte Grossbritannien im Iran. Versuche der Sowjetunion, nach dem Zweiten Weltkrieg Einfluss zu gewinnen, scheiterten.1 Als streikende Ölarbeiter eine iranische Führung der Ölfelder verlangten, beschloss am 15. März 1951 das iranische Parlament (Majlis), die Erdölvorkommen und die Erdölindustrie zu verstaatlichen. Die Streiks stellten auch ein Solidarisierung mit Mohammed Mossadegh dar. Mossadegh war Führer der "Nationalen Front"2, einer im Majlis nur schwach vertretenen Partei. Sein primäres Ziel galt der Liquidierung der Privilegien der "Anglo-Iranian Oil Company"3. 1909 hatte diese aufgrund einer Konzession das Recht erhalten, "sämtliche Erdölvorkommen des Iran auszubeuten."4 Nur zögerlich wurde dem iranischen Staat 30% Gewinnbeteiligung zugestanden. Rund 70% des europäischen Ölverbrauches stammten zum Zeitpunkt der Nationalisierung aus dem Nahen Osten. Als Gründe für die Nationalisierung gab der iranische Premierminister Hussein Ala an, er wolle damit sowjetische Konzessionsforderungen verhindern und der Ausbreitung des Kommunismus im Iran entgegenwirken. Die Kommunisten benutzten nämlich die britische Ölausbeutung als ihr gewichtigstes Argument.5 Da sich die iranische Regierung, die neu unter dem Vorsitz von Mohammed Mossadegh stand, unnachgiebig gegenüber britischen Einwänden gab, wäre es beinahe zu einer militärischen Besetzung der Ölfelder durch Grossbritannien gekommen. Nur auf Druck von Truman und dem UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld konnte dies verhindert werden. Stattdessen wandte sich Grossbritannien nun an den internationalen Gerichtshof der UNO in Den Haag. Mossadegh erkannte aber das Urteil nicht an und erklärte, der Gerichtshof sei dafür nicht zuständig. Danach drosselte das Raffineriezentrum Abadan, welches immer noch unter britischer Leitung stand, kontinuierlich seine Produktion, bis es am 31. Juli 1951 geschlossen wurde. Ausserdem setzten die Briten die Tankerkapitäne unter Druck, den Iran zu meiden. Dadurch war der Iran zwar im Besitz des Öls, konnte dieses aber weder verarbeiten noch verkaufen.6 Mossadeghs Politik wandte sich auch zusehends gegen den Schah. Es kam sogar soweit, dass der Schah schliesslich aus dem Land flüchten musste. Blutige Aufstände waren die Folge. Mit der Unterstützung von Polizei und Armee gelang es aber den Royalisten, die Kontrolle über Teheran zu übernehmen. Mossadegh und seine Anhänger wurden verhaftet und der Schah kehrte zurück. General Fasullah Zahedi wurde anschliessend mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Man einigte sich schliesslich auch auf eine Verstaatlichung der Erdölindustrie. Tatsächlich aber lagen die iranischen Ölfelder unter der Verwaltung eines internationalen Konsortiums.7 Der Iran wurde anschliessend "ein wichtiges Glied der CENTO und damit des westlichen Blocksystems."8
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